Zeitreise in Uniform: Auf den Spuren der Ettlinger Bürgerwehr

Wandern ist weit mehr als nur Bewegung an der frischen Luft – es ist eine Entdeckungsreise in die eigene Geschichte. Unter diesem Motto lud der Schwarzwaldverein Ettlingen zu einer besonderen Auftaktwanderung ein. Das Ziel: Die Geheimnisse hinter den bunten Uniformen der Historischen Bürgerwehr zu lüften.

Die Überraschung war perfekt, als Wanderführer Norbert Gruske die Gruppe stilecht in voller Montur empfing. Als exzellenter Kenner der Stadtgeschichte führte er uns durch die Gassen und erklärte, dass die Bürgerwehr weit mehr ist als nur Repräsentation. Gegründet am 2. September 1715 zu Ehren der Markgräfin Sibylla Augusta, blickt sie auf eine bewegte Militärgeschichte zurück – vom Schutz der Stadt bis hin zur Badischen Revolution.

Sicher ist die Geschichte der Bürgerwehren in Deutschland recht unterschiedlich, doch sie zeigt eindeutig die Diskrepanz der Initiative der Bürger einer Stadt zu den Ansprüchen der Landesherren. Bürgerwehren dienten primär dem Schutz der eigenen Stadt, der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und repräsentativen Zwecken. Das stehende Heer hingegen war ein Instrument der fürstlichen Außenpolitik und diente der Absicherung absolutistischer Macht nach innen. Im Laufe der Zeit änderte sich dies je nach politischer Konstellation und verschwamm häufig mit anderen militärischen Zielen.

Diente die Wehr auch hauptsächlich dem Schutz von Ettlingen, so wurde sie im Laufe der Geschichte auch zu militärischen Einsätzen der Markgrafschaft Baden bzw. des späteren Großherzogtums Baden eingesetzt. Von Bedeutung ist hier vor allen Dingen die Schlacht bei Malsch während der Koalitionskriege und der Einsatz bei der badischen Revolution zu erwähnen. Dieser führte letztendlich auch zu einem vorläufigen Ende der badischen Bürgerwehren, da nach der Niederschlagung der Revolution durch preußische Truppen das badische Militär umgebildet wurde und jede Gefahr für einen erneuten Aufstand schon im Keim erstickt wurde.

Heutzutage dient die historische Bürgerwehr hauptsächlich als Traditionsverein der Brauchtumspflege und hat in Ettlingen einen bedeuteten Stellenwert bei öffentlichen Veranstaltungen.

Neben dem „Soldatenleben“ gab es jedoch noch mehr zu entdecken: Den massiven Bergfried des Schlosses, das antike römische Bad unter St. Martin und den Rathausturm, der einst als Stadttor fungierte. Ein echtes Highlight war der „Hic“ – ein unscheinbares Denkmal an der Kronenstraße, das als einer der ältesten Wegweiser Deutschlands gilt. Heute ist das Original übrigens im Straßenmuseum Germersheim zu bewundern.

Nach so viel Historie ließen wir den Tag gemütlich im Lauerturmstüble ausklingen. Wer Lust bekommen hat: Unser neues Jahresprogramm ist ab sofort auf unserer Homepage, auf Facebook und in der Stadtinfo verfügbar. Gäste sind jederzeit willkommen!

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